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Bundesgerichtshof verhandelt in Karlsruhe über mögliche Rückforderungen von Verlusten bei illegalem Online-Glücksspiel

David Becker · Sep 19, 2026

Bundesgerichtshof verhandelt in Karlsruhe über mögliche Rückforderungen von Verlusten bei illegalem Online-Glücksspiel

Blick auf den Bundesgerichtshof in Karlsruhe während einer Verhandlung zum Thema Online-Glücksspiel

Am 17. September 2026 fand vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe die mündliche Verhandlung im Leitentscheidungsverfahren I ZR 216/25 gegen Tipico Games statt, bei der es um die Frage ging, ob Spieler Verluste aus Online-Casino-Aktivitäten zurückfordern können, die während des früheren vollständigen Verbots unlizenzierter Angebote entstanden sind. Das Verfahren betrifft einen Kläger, der etwa 10.000 Euro geltend macht, und die Richter zeigten sich geneigt, die zugrunde liegenden Verträge wegen des bestehenden Verbots als nichtig anzusehen.

Hintergründe des Verfahrens und der rechtlichen Ausgangslage

Das Verbot unlizenzierter Online-Glücksspiele galt in Deutschland bis Juli 2021 und erstreckte sich auch auf die Übergangsphase, in der die neuen Regelungen des Glücksspielstaatsvertrags schrittweise umgesetzt wurden. Mehrere hundert Verfahren liegen bereits beim Bundesgerichtshof, während Tausende weitere Fälle in unteren Instanzen anhängig sind, und die Entscheidung in diesem Leitfall könnte weitreichende Auswirkungen auf diese Verfahren haben. Die Kläger stützen ihre Ansprüche auf die Unwirksamkeit der abgeschlossenen Verträge mit den Anbietern, da diese ohne die erforderliche Lizenz operierten.

Die Bundesrichter prüften während der Verhandlung eingehend, ob die Spielverträge unter dem damaligen Rechtsrahmen als unwirksam zu bewerten sind und ob daraus ein Anspruch auf Rückerstattung der Einsätze resultiert. Vertreter der Beklagtenseite argumentierten, dass die Spieler die Risiken bewusst eingegangen seien, während die Klägerseite auf die Schutzfunktion des Verbots hinwies, das eine Teilnahme an solchen Angeboten untersagte.

Mögliche Auswirkungen auf laufende Verfahren und den Markt

Sollte der Bundesgerichtshof die Verträge als nichtig einstufen, könnten Anbieter wie Tipico Games und ähnliche Plattformen mit einer Vielzahl von Rückforderungsansprüchen konfrontiert werden, die sich auf Aktivitäten vor der Liberalisierung beziehen. Beobachter der Szene verweisen darauf, dass bereits jetzt zahlreiche Klagen in den Instanzgerichten ruhen und auf diese Leitentscheidung warten, um eine einheitliche Linie zu erhalten. Die genaue Reichweite hängt jedoch vom endgültigen Urteil ab, das nach Abschluss der Beratungen erwartet wird.

Branchenvertreter und Rechtsanwälte verfolgen den Prozess genau, da er die rechtliche Bewertung von Verträgen aus der Zeit des totalen Verbots klären soll und damit Grundlagen für ähnliche Konstellationen schafft. Daten aus Gerichtsakten zeigen, dass die betroffenen Beträge in den einzelnen Fällen variieren, doch die kumulierte Summe potenzieller Ansprüche könnte erheblich ausfallen, falls die Linie des Bundesgerichtshofs bestätigt wird.

Anwälte und Richter diskutieren während einer Verhandlung zum Online-Glücksspiel im Gerichtssaal

Die Rolle des Glücksspielstaatsvertrags und der Übergangsregelungen

Der Glücksspielstaatsvertrag von 2021 brachte eine Neuregelung, die erstmals Lizenzen für Online-Casinos ermöglichte, doch die Verfahren konzentrieren sich auf den vorherigen Zeitraum, in dem solche Angebote vollständig untersagt waren. Experten der juristischen Fachwelt betonen, dass die Übergangsfristen zwar Erleichterungen brachten, die Kernfrage der Vertragsnichtigkeit jedoch weiterhin offen bleibt und nun vom höchsten deutschen Zivilgericht entschieden werden soll. Die Verhandlung zeigte, dass die Richter sowohl die Interessen der Spieler als auch die der Anbieter in ihre Überlegungen einbeziehen.

Vertreter von Verbraucherschutzorganisationen haben in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass das frühere Verbot den Schutz der Spieler bezweckte und daraus Konsequenzen für die Rückabwicklung folgen könnten. Die aktuelle Verhandlung dient als Testfall, der die Auslegung dieser Schutzvorschriften konkretisiert und für nachfolgende Entscheidungen bindend sein kann.

Verfahrensstand und nächste Schritte

Das Urteil steht noch aus, doch die mündliche Verhandlung hat die Positionen der Parteien deutlich gemacht und den Richtern ermöglicht, offene Fragen direkt zu klären. Beteiligte Anwälte rechnen mit einer Entscheidung in den kommenden Monaten, die dann als Leitlinie für die zahlreichen Parallelverfahren dienen wird. In der Zwischenzeit ruhen viele dieser Fälle, bis die höchstrichterliche Klärung vorliegt.

Quellen wie Berichte zur Verhandlung und weitere Fachmedien dokumentieren den Verlauf und die vorläufigen Tendenzen des Gerichts. Die Entscheidung wird auch für die Regulierungsbehörden relevant sein, da sie die Durchsetzung des früheren Verbots rückwirkend beeinflussen könnte.

Fazit

Die Verhandlung vor dem Bundesgerichtshof am 17. September 2026 markiert einen wichtigen Schritt in der Klärung von Rückforderungsansprüchen aus der Zeit des Online-Glücksspielverbots, wobei die endgültige Entscheidung die weitere Entwicklung zahlreicher Verfahren bestimmen wird. Die beteiligten Parteien und die Öffentlichkeit warten nun auf das schriftliche Urteil, das die rechtlichen Konsequenzen für Anbieter und Spieler festlegt.